IT Rakhyr

Rakhyrs Reise, Teil 4: Kein Sold

Rakhyr verbrachte fast den ganzen Tag damit, Holz aufzuschichten, während die Leiche in der warmen Hütte langsam auftaute.

Am Abend setzte sie sich zu ihr und begann den ekligeren Teil ihrer Arbeit.
Während sie den Brustkorb der Leiche öffnete und das Herz herausholte, murmelte sie auf drunisch vor sich hin:
„Mi snìomh aon fighead – Ich webe ein Netz,
aon fighead ri uile Tomadach – Ein Netz um jeden Muskel,
aon fighead ri uile cnàimh – Ein Netz um jeden Knochen,
aon fighead ri uile Khyr – Ein Netz um jeden Blutstropfen,
aon fighead ri thu Duine – Ein Netz um deinen Körper.
Mi snìomh aon fighead – Ich webe ein Netz
as ruith thu air – Und fange, was du bist.“

Kurz später legte sie die Leiche – nun ohne Herz – auf den Scheiterhaufen und zündete ihn an.
Das Feuer brannte gut, und der Rauch stach so in ihren Lungen, dass sie den Geschmack des Herzens nicht mehr auf der Zunge hatte. Plötzlich erschauderte sie und ging in die Knie. Die Vision, die die Seele ihr zeigte, war verschwommen und fast unbrauchbar.
Sie konnte den Mörder nicht erkennen, aber immerhin hörte sie seine Stimme:
„Willst du keinen Sold uns geben, zahlst du halt mit deinem Leben…“

Rakhyrs Reise, Teil 3: Die Leiche

Als Rakhyr am nächsten Morgen erwachte, waren die Männer bereits weggeritten.

Etwas verspannt streckte sie sich. Sie hatte lange darüber nachgedacht, ob sie den Männern die Geschichte über Mareks Zahlungsunwilligkeit glauben sollte. Aber Mareks Haus lag noch maximal einen Tagesritt entfernt – wenn sie zurück ritt, müsste sie vier weitere Tage im Kalten verbringen.

Ein paar Stunden später erreichte sie die Hütte von Marek. Voller Vorfreude auf einen geheizten Raum riss sie die Tür auf – und fand Kälte und Dunkelheit vor.

Es war kein Mensch zu sehen, also entzündete sie selbst ein Feuer und die Kerzen.

Während die Hütte langsam wärmer wurde, schaute sie sich um.

Im Schlafraum stieß sie auf eine Männerleiche – vermutlich Marek. Der arme Mann lag zwar im Bett, aber war definitiv nicht einfach so gestorben. Er hatte mehrere Stichwunden am völlig durchgefrorenen Körper. Seine linke Hand fehlte, und auf seiner Stirn hatte jemand mit vier Schnitten eine Art W eingeritzt.

Rakhyrs Reise, Teil 2: Nicht allein

Ganze drei Tagesritte von der Schänke entfernt wohnte „dieser Marek“.

Zumindest bei gutem Wetter . Bei dem derzeitigen Schneegestöber wäre Rakhyr glücklich, wenn sie es in fünf Tagen schaffen würde… Vier davon war sie nun schon unterwegs, zwar eingepackt in gute Felle, aber trotzdem durchgefroren bis auf die Knochen. Heute Abend würde sie die Vorsicht in den Wind schlagen und ein Feuer anzünden. Sie konnte den Rauch schon riechen…

Moment, den Rauch bildete sie sich nicht nur ein. Alarmiert zügelte sie ihr Pferd und kontrollierte ihre Waffen, bevor sie dem Weg weiter folgte. Kurz später sah sie das Lagerfeuer auch.

Drei Männer saßen drum herum und beobachteten sie, die Hände schon an ihren Schwertern. Sie waren ziemlich grobschlächtige Kerle, anscheinend sehr kampferfahren.

„Ganz schön kalt für einen Ausritt, Frau“, rief einer ihr zu, „und gefährlich obendrein, so ganz allein?“

„Ich bin nicht allein“, entgegnete sie mit einem breiten Grinsen und zeigte ihr Schwert, „meine Klingen begleiten mich.“

Die Männer lachten.

„Aber ihr könnt etwas gegen die Kälte tun, und mich mit eurem Feuer wärmen.“

Sie nickten, und machten Platz für sie.

„Wir können dich auch noch anders wärmen“, versprach ihr der Mann zu ihrer Rechten mit zweideutigem Grinsen – doch gerade, als sie zu ihrem Messer greifen wollte, hielt er ihr einen Krug Met hin. „Wo willst du hin, Frau?“

„Zu Marek aus Tienendorf.“

„Oh, wirklich? Bist du Söldnerin?“

Sie nickte. Die Männer lachten erneut, dieses Mal ziemlich dreckig.

„Dann pass lieber auf. Wir haben gehört, Marek zahlt seinen Sold nur sehr ungern…“

Rakhyrs Reise, Teil 1: Das Kleid…

Rakhyr traute ihren Ohren kaum.

Da wollte man mal in Ruhe ein Bier trinken und sich nach Kontrakten umhören, und was bekommt man vom Nebentisch mit? Sie solle in Wahrheit eine fesche Schankmaid sein? So weit kommt das noch, dass es Gerüchte von ihr im Kleid gibt…

Mit einem beherzten Tritt beförderte Rakhyr den tratschenden Nordmann von seinem Stuhl. Das war natürlich nicht genug. Sie packte ihn am Kragen seiner Tunika und zog ihn hinter sich her durch die Tür des Schankhauses. Draußen schleuderte sie ihn gegen die Stallwand. Immer noch nicht genug, also trat sie noch ein paar Mal zu. Besser. Aber etwas fehlte noch…

„Da hast du deine Schankmaid, Oinseakh!“, knurrte sie. Perfekt. Zufrieden stapfte sie zurück in den Wirtsraum.

An ihrem Platz wartete schon der örtliche Ausrufer. Sein Blick zeigte von Entsetzen über Anerkennung bis zu Erstaunen alles. Grinsend nahm sie sich ihren Krug, trank ein paar Schlucke und setzte sich dann wieder.

„So. Wo wohnt nun dieser Marek, der gutes Gold für die Sicherung seiner Reise zahlt?“, fragte sie den Ausrufer.