IT Underberg

Underbergs Reise, Teil 5

Underbergs Blick schweifte durch das vor ihm liegende Tal. Sie hatten die Berge nach 2 anstrengenden Tagen hinter sich gelassen und er konnte endlich das Ziel dieser zermürbenden Reise ausmachen.
Unten am Fluss machte er einen, nun ja, größeren Holzverschlag möchte man meinen, aus. Die Nordmänner hatten sich aus den Resten ihres Schiffes einen provisorischen Schutz gegen den Winter gezimmert.
John rief etwas, doch der Wind war zu stark. Nicht dass Underberg viel auf seine Meinung gegeben hätte. Dieser Mann nahm es zu ernst mit seinen Pflichten. Fast konnte Underberg Joachims schelmisches Lachen vernehmen. Er wusste wie sehr er dieses Tamtam hasste. Underberg schnaufte. Er wollte es nur noch hinter sich bringen und dann schnell zurück in seinen warmen Turm in Eckhardsweiler.
Er lief einfach los.
„Mal sehen, was das für Wilde sind. So können sie zumindest ihre Behausung nicht stehen lassen. Es entspricht nicht mal annähernd unserem Standard. Und unansehnlich ist es auch.“
Underberg stiefelte los, dicht gefolgt von einem schimpfenden Hauptmann und seinem Gefolge.

Underbergs Reise, Teil 4: Lästige Reisegruppe…

„Wie weit noch, Hauptmann?“
Eine kleine Gruppe von Männern quälte sich durch den Schnee, etwa eine Tagesreise von Eckhartsweiler entfernt.
„Nun, Luftlinie noch eine Tagesreise etwa. Wir müssen aber noch über die Berge. Schwierig zu sagen. Wir können froh sein, dass es aufgehört hat zu schneien.“
Underberg brummte. Er straffte sein Reisebündel und lief weiter.
„Wie lästig diese Reisegruppe doch ist. Allein käme ich allemal schneller voran“, dachte sich der Magister.
„Aber die Vorschriften und sein Stand verbieten dies.“
Joachim wurde nicht müde dies „anzumerken“.
„Es seien schließlich unzivilisierte Nordmänner, welche Er aufsucht. Eine Eskorte ist da unabdingbar.“
Underberg lauschte dem Gezeter des Mannes, welches in seinem Kopf nachhallte. Er fragte sich, wann Joachim das letzte Mal in der Hauptstadt gewesen war. Wilde gab es überall. Der Spähtrupp ließ sie anhalten: Ein Felsvorsprung, geschützt vor Wind und Schnee, lud zur Rast ein. Der Magister ließ sich in einer trockenen Ecke fallen und trank einen Schluck Schwarzen. Dann schloss er die Augen.
„So lästig“ murmelte er noch. Dann schlief er ein.

Underbergs Reise, Teil 3: Schiffbruch

Es klopfte harsch an der Tür. John trat ein.

„Magister, verzeiht die Unterbrechung, aber….“
„Was fällt dir eigentlich ein?“

Underberg stand an seinem OP-Tisch, eine blutige Schürze um und eine Knochensäge in der Hand. Der Patient, eine Wache, wimmerte leise. Ein Fuß lag einsam auf dem Boden.

„Siehst du nicht, dass ich mal wieder einen deiner Leute zusammenflicke? Habe ich dir nicht gesagt, du sollst zusehen, dass sie ihre Stiefel füttern?“

„Magister, einer unserer Jäger entdecke Nordmänner am Flussufer, oben in den Bergen. Sie scheinen Schiffbruch erlitten zu haben.“
Der Magister schnalze mit der Zunge und wischte sich die Hände an der Schürze ab.

„Hat der Jäger Beute mitgebracht?“
John blinzelte. „Ähm…“
„Und wieso behelligst du mich mit solchen Dingen? Geh zum Gouverneur… Achja, da war ja was.“

Ärgerlich warf er die Säge in seine Tasche, tätschelte der Wache das Knie.
„Ich bin gleich wieder da“

Underberg ging den Turm hinauf, gefolgt von John. Underberg zog ein paar Münzen aus einem Beutel und gab sie dem Hauptmann.

„Für den Jäger, er soll sie weiter beobachten“
John nickte und wand sich zur Tür.
„Und John, ich weiß wie viele Münzen ich dir gab. Sieh zu, dass sie auch beim Jäger ankommen. Auf dem Tisch ist noch Platz.“

John nickte und ging hinaus. Underberg zog einen Federkiel und ein Pergament zu sich und begann zu schreiben.

„Wird Zeit, dass Ihr Euren Urlaub beendet, lieber Gouverneur.“

Underbergs Reise, Teil 2: Winterliche Luft

Winterliche Luft zog durch das geöffnete Fenster herein.
Underberg saß in seinem Arbeitszimmer. Der Schreibtisch war mit Pergamenten übersät. Mit Tinte verschmierten Fingern ging er die jüngsten Berichte aus der Heimat durch. Stirnrunzelnd lass er die Zeilen.
Ein festes Klopfen ließ ihn zusammenzucken. Er schob die Notizen und Briefe hastig zusammen, griff nach einem Skalpell, welches auf dem Tisch lag, und rief:
„Herein.“
John der Hauptmann der Wache Eckhartsweilers trat schweren Schrittes ein.
„Magister.“
Er schloss die Türe hinter sich und trat vor den Schreibtisch, wo er kurz den Kopf senkte. Underberg ließ das Skalpell in seinem Ärmel verschwinden und schaute den Mann fragend an.
„Habt ihr Neues in Erfahrung bringen können?“
„Nein, Magister.“ John schaute zum Kessel rüber, auf dem Feuer brodelte munter ein Eintopf.
„Nur zu“, sprach Underberg und widmete sich wieder seinen Briefen.
John nahm sich eine Schüssel und schlang den Eintopf gierig hinunter. Zwischen zwei Löffeln murmelte er mit gedämpfter Stimme:
„Nun, es sind noch weitere Opfer aufgetaucht. Alle tot. Und alle haben nichts gemeinsam. Einzig die 4 Schnitte im Gesicht. Vielleicht ein neuer Hexenkult?“
Underberg schnaubte und strich einen Satz durch.
„Es gibt hier keine Hexen, John. Wir hätten sonst was zum Heizen und müssten die Männer nicht bei diesem Wetter zum Holz schlagen in den Wald jagen.“
Underberg versiegelte seinen Brief und stand auf.
„John, ich möchte, dass du und deine Männer in der Kolonie bleiben. Der Winter hat unser Fleckchen Erde hier fest in seiner Hand. Und ich will nicht wieder Gliedmaßen amputieren müssen, weil Ihr nicht aufpasst.“
Underberg winkte dem Mann unwirsch. John deutete eine Verbeugung an.
„Sehr wohl, Magister.“ Er verließ das Arbeitszimmer.
Underberg nahm sich seine Pfeife, entzündete sie murmelnd und trat hinaus auf den Wehrgang seines Turms. Die Luft war eisig, doch klar und rein. Sie half ihm seine Gedanken zu ordnen.
„Wie es wohl den Anderen ergeht?“
Mit dem Finger malte er Runen in den frischen Schnee. Ein Krächzen ließ ihn zusammenfahren und eine Krähe landete auf seiner Schulter. An ihrem Bein baumelte eine kleine Pergamentrolle. Underberg klopfte seine Pfeife aus und ging mit der Krähe auf der Schulter wieder hinein. Er las die kurze Nachricht und setzte sofort einen neuen Brief auf.

Underbergs Reise, Teil 1: Der Karren

Langsam zuckelt der Karren gen Osten.

Underberg, in Gedanken versunken und in Decken eingepackt, den Hut tief ins Gesicht gezogen, gegen den schneidigen Ostwind, lässt den Tag Revue passieren.

Er war von einem Bauer gerufen worden, welcher im Wald einen Leichnam gefunden hatte. Er war mit seinem Ochsenkarren sofort aufgebrochen.
Der Körper wies einen starkern Verwesungsgrad auf. Trotz der Kälte lag der Geruch nach Tod, schwer süßlich in der Luft.
Dem Leichnam war die Kehle durchgeschnitten worden. Er war seid mindestens zwei Monaten Tod.
Nach eingehender Untersuchung waren ihm noch 4 Schnitte, die zusammen den Buchstaben „W“ bildeten, auf der Wange aufgefallen.

Der Magister zog die Decken fester um sich. Es schüttelte ihn vor Kälte.

Auf Grund des Verwesungsgerades könnte man nicht erkennen um welche arme Seele es sich gehandelt hat.
Sein Körper war übersät von Narben und er war kräftig gebaut.

„Er muss viele Kämpfe bestritten haben“, dachte sich Underberg, griff nach einer Flasche und trank einen Schluck Schwarzen auf die arme Seele.

Nachdem er seine Untersuchungen beendet hatte, trug er dem Bauern auf, den Körper würdevoll zu beerdigen und zahlte ihm ein paar Münzen, auf das er Stillschweigen bewahre.
Gerüchte verbreiten sich schnell dieser Tage und er wollte eine Grundlose Panik inerhalb der Scholle verhindern.
Es war zwar bedauerlich, doch nicht verwunderlich. Der Winter war hart und für ein paar Münzen haben schon viele ein zu frühes Ende gefunden.

Ulf muhte leise und Underberg sah auf.

„Endlich zu Hause, Ulf. Schau zu, dass wir schnell ins warme kommen. Ich hole mir hier draußen noch den Tod.“

Langsam zuckelte der Karren den Feldweg hinunter nach Eckhartsweiler.