Reise der Lendermannen

Es kam, wie es kommen musste…

Die Lendermannen kämpften im Sturm um ihr Schiff. Das Segel war zerfetzt, das Schiff nahm Unmengen salziges Wasser über, der Mast war gebrochen und alles Rudern nutzlos. Die felsige Küste kam immer näher, das Schiff rollte noch einmal von einem riesigen Wellenkamm und zerschellte an den Felsen.

Aber, wie schon so oft, hatte dieser wilde Haufen wieder einmal das Glück auf seiner Seite.

Gerade hatten sie sich am Felsenstrand einen Unterstand gebaut und holten ihre Habseligkeiten aus dem sinkenden Wrack. Denn sie hatten vereinbart, den „Grünen Kessel“ bei der erneuten Zusammenkunft der „Söldner“ zu betreiben. Dazu suchten sie erneut die Küstenlande der fernen Welt Mitraspera auf. Glücklicherweise hatten sie noch genügend Met, Schnaps und Bier gerettet, um diese Vereinbarung auch einhalten zu können.

Tatsächlich war der „Grüne Kessel“ bei den Söldnern nicht nur hochwillkommen, sondern für die Lendermannen auch ein einträgliches Geschäft. So konnten sie im Herbst und im Winter, der in diesen Breiten recht mild ausfiel und ihnen wie Sommer vorkam, die Reste ihres Schiffes bergen, Holz schlagen und ein neues Schiff am Felsenstrand entstehen lassen.

Mit diesem Schiff stachen sie dann im Frühjahr in See, um die Drachenlande aufzusuchen, in denen sie schon vor langer Zeit reiche Beute gemacht hatten. Der Raubzug war zwar in diesem Jahr nicht ganz so erfolgreich, wie in vergangenen Jahren, brachte aber genug Silber ein, um den „Grünen Kessel“ ein wenig zu erweitern.

Und beim Wiegen des Silbers erinnerte sich Ahasver plötzlich daran, dass er einst in grauer Vorzeit von Sven, dem Schweden, eine Silbermiene geschenkt bekommen hatte, als dieser beschloss, in die Südlande aufzubrechen. Sven, der Schwede, kehrte nie zurück und Ahasver meinte ganz trocken „Wir könnten doch für die von Sold strotzenden Söldner eine Bank eröffnen, Versicherungen verkaufen und auch allen Geschäften nachgehen, denen ich auch sonst nachgehe!“ Das sorgte für lautes Lachen und Grölen bei den Lendermannen und Harald Andarson murmelte „Deine –Geschäfte- kennen wir. Das endet immer im Suff!“

Nichtsdestotrotz beschlossen sie, auch in diesem Jahr die Söldner wieder mit ihrem „Grünen Kessel“ aufzusuchen und ihnen ihre Dienste anzubieten, zumal sie in den Drachenlanden das Gerücht gehört hatten, dass die Söldner in diesem Jahr eine „Große Heerschau“ abhalten wollten und viel Volk erwarteten, das nicht nur durstig war, sondern auch Kupfer, Silber und Gold im Beutel hatte. Das versprach Gewinn!

„Also“, sprach Harald, „wir schmeißen das Silber der letzten Fahrt und einiges an Silber aus Ahasvers Mine in einen Schmelztiegel und prägen daraus unsere eigenen Münzen. Sowas mögen die Südländer. Dann eröffnen wir bei den Söldnern eine BANK, oder wie das heißt, und verkaufen ein Silber für ein Gold. Oder wir verleihen es und treiben die Schulden mit unserem Inkasso-Unternehmen ein. Oder, Egal, mal sehen, was man mit so einer BANK machen kann. Außer darauf zu schlafen.“

Mittlerweile hatten die Lendermannen schon einen großen Krug Schnaps und einige Krüge Bier geleert und sie schmiedeten weitere Pläne. „Diesmal bauen wir uns aber auch eine Banja, damit wir uns dort auch standesgemäß waschen und pflegen können“, meinte Thorgrim, „denn letztes Jahr haben die immer so geschaut, als ob sie sagen wollten, wir seien dreckige Nordleute. Denen zeigen wir’s!“ Das fand große Zustimmung. Nicht nur bei den schönen Frauen, sondern auch bei Ragnar und Thoral, die gern ihre langen Haare und Bärte pflegten und mit Perlen und Zierat versahen. „Außerdem wird das sicher auch den Söldnern gefallen“, fiel Ahasver ein, „denn die wollen ja ein großes Palaver halten und können dann bei uns in der Abgeschiedenheit der Banja die wirklich wichtigen Dinge vertrauensvoll und unter unserem Schutz besprechen. Wisst ihr, so wie es die Oligarchen im Land der Rus tun. Natürlich nur, wenn sie für dieses Banja-Erlebnis auch angemessen bezahlen. Die Heizkosten sind ja immens, wie ihr wisst.“

Das stieß auf große Zustimmung und unter beifälligem Klatschen beschlossen sie, die Söldner bei ihrer Heerschau mit dem „Grünen Kessel“ aufzusuchen, eine BANK (was immer das auch sein mochte) zu eröffnen und ihre Schwitz-Banja aufzubauen.

Ob das alles dann so kommen würde, wussten sie nicht und es war ihnen auch, gelinde gesagt, scheißegal. Sie hatten wieder ein Ziel, genug Bier, Met und Schnaps an Bord und konnten den Drachen am  Bug ihres Schiffes neu ausrichten um zur Großen Heerschau der Söldner fahren. Laut grölend sangen sie unter ihrem stolz geschwellten rot-weißen Segel ihre Sauf- und Rauflieder, während sie Kurs auf die Bucht der Ruinenstädte nahmen, wo in einem abgelegenen Kloster dieses Jahr der Treffpunkt der Heerschau sein sollte. Das war es, was ihnen wirklich etwas bedeutete: Auf See zu sein!

 

    

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