Underbergs Reise, Teil 2: Winterliche Luft

Winterliche Luft zog durch das geöffnete Fenster herein.
Underberg saß in seinem Arbeitszimmer. Der Schreibtisch war mit Pergamenten übersät. Mit Tinte verschmierten Fingern ging er die jüngsten Berichte aus der Heimat durch. Stirnrunzelnd lass er die Zeilen.
Ein festes Klopfen ließ ihn zusammenzucken. Er schob die Notizen und Briefe hastig zusammen, griff nach einem Skalpell, welches auf dem Tisch lag, und rief:
„Herein.“
John der Hauptmann der Wache Eckhartsweilers trat schweren Schrittes ein.
„Magister.“
Er schloss die Türe hinter sich und trat vor den Schreibtisch, wo er kurz den Kopf senkte. Underberg ließ das Skalpell in seinem Ärmel verschwinden und schaute den Mann fragend an.
„Habt ihr Neues in Erfahrung bringen können?“
„Nein, Magister.“ John schaute zum Kessel rüber, auf dem Feuer brodelte munter ein Eintopf.
„Nur zu“, sprach Underberg und widmete sich wieder seinen Briefen.
John nahm sich eine Schüssel und schlang den Eintopf gierig hinunter. Zwischen zwei Löffeln murmelte er mit gedämpfter Stimme:
„Nun, es sind noch weitere Opfer aufgetaucht. Alle tot. Und alle haben nichts gemeinsam. Einzig die 4 Schnitte im Gesicht. Vielleicht ein neuer Hexenkult?“
Underberg schnaubte und strich einen Satz durch.
„Es gibt hier keine Hexen, John. Wir hätten sonst was zum Heizen und müssten die Männer nicht bei diesem Wetter zum Holz schlagen in den Wald jagen.“
Underberg versiegelte seinen Brief und stand auf.
„John, ich möchte, dass du und deine Männer in der Kolonie bleiben. Der Winter hat unser Fleckchen Erde hier fest in seiner Hand. Und ich will nicht wieder Gliedmaßen amputieren müssen, weil Ihr nicht aufpasst.“
Underberg winkte dem Mann unwirsch. John deutete eine Verbeugung an.
„Sehr wohl, Magister.“ Er verließ das Arbeitszimmer.
Underberg nahm sich seine Pfeife, entzündete sie murmelnd und trat hinaus auf den Wehrgang seines Turms. Die Luft war eisig, doch klar und rein. Sie half ihm seine Gedanken zu ordnen.
„Wie es wohl den Anderen ergeht?“
Mit dem Finger malte er Runen in den frischen Schnee. Ein Krächzen ließ ihn zusammenfahren und eine Krähe landete auf seiner Schulter. An ihrem Bein baumelte eine kleine Pergamentrolle. Underberg klopfte seine Pfeife aus und ging mit der Krähe auf der Schulter wieder hinein. Er las die kurze Nachricht und setzte sofort einen neuen Brief auf.

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